Allgemeine Informationen zu den Kunstwerken

Die Installation ist eingebunden in das Projekt „kunstwerk10“. Das Kunstprojekt soll jeweils mit einem oder mehreren großformatigen Objekten auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft jüdischen Lebens in Bamberg aufmerksam machen. Bezüge zwischen den historischen und gegenwärtigen Orten, an denen jüdisches Leben in Bamberg situiert ist bzw. war, werden somit verdeutlicht. Die einzelnen Objekte weisen daher in ihrer künstlerischen Formensprache alle Bürger*innen und Besucher*innen auch auf die Verantwortung hin, welche bis heute und zukünftig besteht. So wird der Prozess der Erinnerung sichtbar und eine Auseinandersetzung mit der Geschichte möglich, ohne dass das Gesamtkunstwerk als ein Mahnmal gesehen werden muss.

 

Die „Seele“ der jeweiligen Plastiken bilden historische Gusseisensäulen aus der ehemaligen jüdischen Nähseidenfabrik Kupfer, Heßlein & Co. (Bamberg, Sophienstraße 7, heute Willy-Lessing-Straße 7). Die Säulen waren vormals Teil einer Industriearchitektur. Sie stehen heute sinnbildlich und stellvertretend für das aufstrebende jüdische Wirtschaftsleben, das im 19. Jahrhundert einen hoffnungsvollen Anfang genommen hat. Ebenso verweisen die Säulen auf die Verbrechen der Nationalsozialisten gegenüber der jüdischen Bevölkerung Bambergs, die nicht nur das wirtschaftliche, sondern auch das Leben an sich vernichtet haben.

 

Die Plastiken haben eine Formensprache, welche keine direkte Aussage vermitteln will; sie sind vielmehr seitens der Rezipient*innen eigenkreativ und mit vielfältigen Assoziationen deutbar. Die Kunstobjekte können subjektiv und vielseitig „gelesen“ zu werden.
Kunstwerke im öffentlichen Raum sind jederzeit frei zugänglich und bieten die Möglichkeit, ohne „Hemmschwelle“ betrachtet zu werden. Im mehrmaligen Vorbeigehen können sie dazu anregen, immer wieder neu gedeutet oder rezipiert zu werden, wenn die Betrachter*innen dies möchten.

Nähere Informationen über den ausführenden Künstler Bernd Wagenhäuser finden Sie auf seiner: Homepage.

Informationen zum Kunstwerk im Quartier an den Stadtmauern

Ein säulenförmiges Konstrukt aus Cor-Ten-Stahl „umformt“ die historischen Gusseisensäulen – von einer eher geschlossenen bis hin zu einer dynamischen und aufgebrochenen Gestalt. Diese kann als ein „Korsett“ wahrgenommen werden. Oder befindet sie sich eher im Begriff der Destruktion? Will sie verhüllen oder schützen? Will sie stützen oder aufbauen? – Mannigfaltige Deutungsmöglichkeiten können sich aus der Kunstinstallation ergeben. Die Plastiken haben folglich eine Formensprache, die keine direkte Aussage impliziert und somit mehrdeutig bleibt. Sie können subjektiv und vielseitig „gelesen“ werden.

Die Gusseisensäulen sind – innerhalb ihrer verschiedenen Oberflächen – meist nur schemenhaft sichtbar; sie haben somit etwas Rätselhaftes an sich, wecken die Neugier auf etwas Verborgenes und Vergangenes.

VERORTUNG DER WERKE

Die Hauptinstallation besteht aus zwei Teilen und verweist auf das frühere jüdische Leben im zweiten Judenhof (ab 1422):

Eine Säule erhebt sich in der Durchgangspassage Franz-Ludwig-Straße/ Lange Straße. Sie reiht sich in die Achse zwischen den Sichtbetonsäulen ein und hat genau deren Durchmesser.

Eine zweite, größere Säule, leicht versetzt zur ersten, steht im Grünbereich hinter der historischen Stadtmauer. Diese Säule baut sich in der gleichen Formensprache auf, ist jedoch in ihrer Wirkung dynamischer und erscheint mit ihrer aufgebrochenen Struktur unruhiger.

Eine ergänzende Installation wurde vor dem Eingang des Dokumentationszentrums „Mikwe“ platziert. Diese Plastik ist in ihrer Gestalt verschlossener. Sie fußt auf dem gusseisernen Kapitell einer der historischen Säulen. Das „Innere“ der Plastik ist daher nur zu erahnen.

UMMANTELUNG „COR-TEN-STAHL“

Die Bezeichnung „Cor-Ten-Stahl“ beruht auf zwei Begriffen: „Cor(rosion resistence) = Korrosionswiderstand“ und „Ten(sile strength) = (Zug-) Festigkeit“.

Die besondere Wetterfestigkeit dieses Stahls wird durch Kupfer, Chrom und andere den Stahl veredelnde Materialien erreicht. Langfristig ändert sich daher die Oberfläche eines solchen Kunstwerks durch eine sich bildende Patina. Die Plastiken befinden sich folglich in einem stetigen Prozess der Veränderung. Es bildet sich also kein Rost im herkömmlichen Sinne, sondern eine durch Witterungseinflüsse erzeugte Oberflächenschicht, die den Stahl vor der sonst üblichen Korrosion schützt.

Nähere Informationen über den ausführenden Künstler Bernd Wagenhäuser finden Sie auf seiner Homepage.